Welpe schläft nicht durch: Strategien für ruhige Nächte im neuen Zuhause

Welpe schläft nicht durch: Strategien für ruhige Nächte im neuen Zuhause

Dienstagabend, 23:45 Uhr: Die Kapitulation auf der Küchentreppe

Ich sitze auf der kalten Küchentreppe in Leipzig-Reudnitz und heule. Mal wieder. In meiner rechten Hand halte ich eine halb leere Flasche Essigreiniger, in der linken mein zerkautes Haargummi, das ich gerade noch aus einem sehr kleinen, sehr frechen Maul gerettet habe. Mein kleiner Tierschutz-Mix – eigentlich mein absoluter Traum – starrt mich mit diesen riesigen Kulleraugen an, wedelt kurz und fängt dann an, voller Begeisterung in mein Hosenbein zu beißen.

Er hat heute schon zum zweiten Mal ins Bett gepinkelt. ICH KANN NICHT MEHR.

Wenn man im Lehramtsstudium ist, denkt man ja, man sei auf Stress vorbereitet. Aber nichts – absolut nichts – bereitet dich auf diesen massiven Schlafentzug vor. In den letzten fünf Nächten habe ich insgesamt vielleicht 15 Stunden geschlafen. Das sind drei Stunden pro Nacht. Mein Gehirn fühlt sich an wie abgestandener Milchreis aus der Mensa.

Dabei sollte doch alles so romantisch sein: Ein kleiner Hund aus dem Tierschutz, der dankbar in seinem Körbchen schläft, während ich daneben entspannt meine Hausarbeit über Schulpädagogik schreibe. Die Realität? Er jault, er knabbert die Fußleisten an und er scheint eine Blase von der Größe einer Erbse zu haben.

Das Mathe-Problem: Blasenkapazität vs. Studentennerven

Ich habe angefangen, alles aufzuschreiben, weil ich sonst wirklich verrückt geworden wäre. Man liest ja überall diese tollen Tipps, aber wenn man nachts um drei barfuß in eine frische Pfütze auf den Dielen tritt – dieses kalte, nasse Gefühl am Fußrücken ist das Schlimmste – vergisst man jede Theorie.

In meinem Online-Welpenkurs habe ich eine Faustformel gelernt: Alter in Monaten plus eins ergibt die maximale Stundenanzahl, die ein Welpe nachts aushalten könnte. Mein Kleiner ist jetzt 14 Wochen alt, also etwa 3,5 Monate. Rein rechnerisch müsste er also knapp über 4 Stunden durchhalten.

Aber Theorie und Praxis in Leipzig-Reudnitz sind zwei verschiedene Welten. In der ersten Woche war an Schlaf nicht zu denken. Ich war so verzweifelt, dass ich sogar dieses teure „Beruhigungsspray“ aus dem Internet bestellt habe, das angeblich nach Mutterhündin riecht. Spoiler: Es hat absolut GAR NICHTS gebracht, außer dass mein Zimmer jetzt riecht wie eine Mischung aus Lavendel und nassem Schaf.

Warum „Auspowern“ der größte Fehler war

Ich dachte wirklich, ich bin besonders schlau. Ich habe versucht, ihn tagsüber so richtig müde zu machen. „Wenn er tagsüber kaum schläft, muss er ja nachts umkippen“, war mein genialer Plan. Ich habe mit ihm gespielt, bin (viel zu lange) im Park gewesen und habe ihn ständig bespaßt.

Das Ergebnis? Ein völlig überdrehtes Zappel-Monster, das abends wie auf Speed durch die Wohnung raste und erst recht nicht zur Ruhe kam.

Hier kam der Wendepunkt aus dem Welpenkurs: Welpen brauchen zwischen 18 und 20 Stunden Schlaf am Tag. Wenn sie diesen Schlaf tagsüber nicht bekommen, schüttet der Körper Stresshormone aus. Dann sind sie nachts wie kleine Kinder, die den Punkt zum Einschlafen verpasst haben und nur noch schreien. Entgegen der landläufigen Meinung hält ein zu früher Schlafentzug am Tag den Welpen nachts erst recht wach, weil sein Nervensystem völlig überlastet ist.

In meiner ersten Woche war ich völlig am Ende – wer das nachfühlen will, kann hier mein Tagebuch zum Welpen-Blues lesen. Ich dachte echt, ich muss ihn zurückgeben.

Meine Strategien für die „4-Stunden-Etappe“

Nachdem ich am Dienstag auf der Treppe geweint habe, habe ich radikal umgestellt. Ich bin kein Profi, ich bin nur eine Studentin, die endlich wieder mehr als zwei Stunden am Stück schlafen will. Das hier hat bei uns funktioniert:

Der Lichtblick nach 20 Tagen

Gestern Nacht ist es passiert. Ich bin aufgewacht, habe auf mein Handy geschaut und dachte: „Huch, es ist hell?“

SECHS STUNDEN. Am Stück.

Ich sage euch, ich habe mich gefühlt, als hätte ich gerade mein Staatsexamen bestanden. Er lag ganz friedlich in seinem Körbchen, hat leise geschnarcht und mich erst geweckt, als ich mich bewegt habe.

Was ich gelernt habe: Es liegt meistens nicht am Welpen, sondern daran, dass wir erst lernen müssen, seine Sprache zu verstehen. Er will mich nicht ärgern, wenn er um drei Uhr morgens die Fernbedienung kaut. Er weiß es einfach nicht besser und sein Körper produziert nachts zwar das Antidiuretische Hormon, um die Urinausscheidung zu drosseln, aber das funktioniert eben noch nicht perfekt.

An meine Freunde, die sagen: „Es ist doch nur ein Hund, geh halt früher schlafen“ – ihr habt keine Ahnung. Puppy Blues ist real. Die brennenden Augenlider im Seminar sind real. Aber diese sechs Stunden Schlaf heute Nacht haben mir gezeigt, dass wir langsam ein Team werden.

Falls du auch gerade nachts wach liegst und dich fragst, warum du dir das angetan hast: Du bist nicht allein. Es wird besser. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber irgendwann schläfst du wieder durch. Und bis dahin: Essigreiniger immer griffbereit halten!