
Es ist jetzt kurz nach vier Uhr morgens und ich starre fassungslos auf einen dunklen, warmen Fleck, der sich langsam auf meinem Bettbezug ausbreitet. Mein kleiner Wirbelwind – dieser süße Fratz aus dem Tierschutz, der mich eigentlich zum Lächeln bringen sollte – hat gerade ganz entspannt losgelassen. Mitten im Tiefschlaf. An meinem Bein. Ich könnte heulen. Ehrlich gesagt, ich HEULE gerade ein bisschen, während ich das hier schreibe.
Ich bin Lena, 27, studiere Lehramt hier in Leipzig und dachte eigentlich, ich hätte alles im Griff. Aber die Realität in meiner kleinen Altbauwohnung in Reudnitz sieht gerade eher nach Ammoniak-Geruch und Schlafmangel aus. Wer hätte gedacht, dass ein 14 Wochen alter Hund mein Leben so dermaßen auf den Kopf stellt? In meiner Vorstellung sind wir harmonisch durch den Lene-Voigt-Park spaziert. In der Realität stehe ich zum dritten Mal diese Woche nachts im Schlafanzug im Treppenhaus, weil das Bett wieder geflutet wurde.
Warum ausgerechnet das Bett? Die bittere Wahrheit
Ich habe mich das wirklich gefragt: Warum macht er das? Wir waren doch gerade erst draußen! Wir sind zehn Minuten lang über die nasse Wiese gestolpert, er hat jeden Grashalm einzeln begrüßt, aber gemacht hat er... nichts. Kaum sind wir oben im dritten Stock (natürlich ohne Aufzug, danke Leipzig), springt er aufs Bett und LÄSST ES LAUFEN.

In meinem Online-Welpenkurs habe ich dann gelernt, dass das Bett für so einen kleinen Kerl oft wie eine riesige, super-saugfähige Windel wirkt. Es ist weich, es riecht nach mir (was ja eigentlich süß ist, wenn es nicht so verdammt nass wäre) und es gibt ihm Sicherheit. Draußen ist alles so aufregend und gruselig. Da vergisst man vor lauter Reizen schon mal, dass die Blase drückt. Und sobald die Kleinen drinnen auf der Matratze zur Ruhe kommen – zack, Entspannung pur, Schleusen auf.
Es ist kein Protest. Er will mich nicht ärgern. Er ist einfach noch ein Baby, dessen Gehirn und Blase noch nicht per Highspeed-Internet miteinander kommunizieren. Aber das zu wissen, hilft einem nachts um vier auch nur bedingt weiter, wenn man versucht, mit Küchenrolle das Schlimmste zu verhindern.
Meine totalen Flops: Was bei uns GAR NICHTS gebracht hat
Bevor ich zu den Dingen komme, die uns gerade ein bisschen retten, hier mal meine Liste der totalen Fehlschläge. Ich weiß, man liest im Internet so viel, aber ehrlich:
- Schimpfen: Ich habe ihn einmal kurz angefahren („NEIN! NICHT SCHON WIEDER!“), als ich den nassen Fleck sah. Das Ende vom Lied? Er hatte danach Angst, in meiner Nähe überhaupt zu machen. Er hat sich dann versteckt, um in die Ecke zu pinkeln. Ganz toll gemacht, Lena.
- Welpen-Unterlagen (Pee Pads) im Bett: Ich dachte, ich bin schlau und lege das Bett mit diesen Wickelunterlagen aus. Er fand das super. Er hat sie in Sekunden zerfetzt und die Watte-Füllung in der ganzen Wohnung verteilt. Es sah aus, als hätte es im Mai in meinem Zimmer geschneit.
- Wasserentzug: Jemand meinte, ich solle ihm ab 18 Uhr nichts mehr zu trinken geben. Ganz ehrlich? Der kleine Kerl hat nach dem Toben so Durst gehabt, dass er mich mit diesen traurigen Augen angesehen hat – das bringe ich nicht übers Herz. Und gesund ist das für so einen Zwerg im Wachstum sicher auch nicht.
Ich war so kurz davor, den Kopf in den Sand zu stecken. Nachdem ich mich schon bei der Welpen Erstausstattung für Studenten so verkalkuliert hatte (ich habe drei verschiedene Bürsten, aber nur eine Bettdecke!), fühlte ich mich wie die größte Versagerin.

Der Schlachtplan: Wie wir die Nächte jetzt (meistens) trocken überstehen
Ich habe angefangen, alles aufzuschreiben. Jedes Pipi, jedes Häufchen, jede Uhrzeit. Ich sehe aus wie eine verrückte Professorin mit meinem Notizblock, aber es hilft. Hier ist das, was bei uns gerade den Unterschied macht:
1. Das Bett ist vorerst Sperrzone
Das war der härteste Schritt. Ich liebe es, wenn er sich an mich kuschelt. Aber solange er nicht versteht, dass die Matratze kein Klo ist, darf er nicht mehr unbeaufsichtigt drauf. Ich habe mir ein günstiges Hundebett direkt neben meine Bettseite gestellt. Wenn er nachts unruhig wird, merke ich das sofort, weil er anfängt zu scharren oder zu fiepen. Dann heißt es: Mantel über den Schlafanzug, Schlüssel schnappen und ab auf die Straße.
2. Die Party um Mitternacht
Ich habe jetzt immer eine Dose mit getrockneter Entenbrust direkt neben der Tür stehen. Wenn er draußen macht – und sei es nur ein winziger Tropfen – feiere ich eine Party, als hätte ich gerade mein Staatsexamen bestanden. Die Nachbarn denken wahrscheinlich, ich habe sie nicht mehr alle, wenn ich nachts „FEIN GEMACHT, JA SO EIN BRAVER JUNGE!“ über die Straße brülle. Aber es wirkt. Er fängt an zu verstehen: Draußen pinkeln = Party und Leckerli. Drinnen pinkeln = langweilig, keine Reaktion, nur Putzen.
3. Der Wecker-Terror (Zombie-Modus aktiviert)
Ich stelle mir jetzt alle zwei bis drei Stunden den Wecker. Ja, auch nachts. Es ist die Hölle. Ich fühle mich wie ein Zombie in der Vorlesung. Aber: Es ist immer noch besser, als nachts in einer Pfütze aufzuwachen. Wenn ich ihn rausbringe, BEVOR die Blase drückt, minimiere ich das Risiko für Unfälle im Haus. Wir hatten jetzt schon vier Nächte ohne Bett-Zwischenfall. VIER! Das ist für mich ein Weltrekord.

Warum Reinigungsmittel nicht gleich Reinigungsmittel ist
Apropos Putzen: Normaler Reiniger reicht nicht. Ich habe gelernt, dass Hunde den Ammoniak-Geruch noch riechen, auch wenn wir denken, es sei sauber. Und dieser Geruch sagt ihnen: „Hier ist dein Klo!“. Ich benutze jetzt einen speziellen Enzymreiniger. Ohne den wären wir verloren. Er knackt diese Geruchsmoleküle auf, damit die Stelle für die feine Welpennase nicht mehr nach Toilette riecht. Ich habe bestimmt schon zwei Flaschen davon verbraucht in den letzten Wochen.
Manchmal sitze ich am Schreibtisch, versuche eine Hausarbeit zu schreiben, und er knabbert leise an meinem Fuß. In diesen Momenten vergesse ich fast, dass ich heute Morgen um fünf Uhr meine Bettwäsche in die Maschine gestopft habe. Er lernt ja auch nur. Ich erinnere mich dann immer daran, wie sehr mir das Buch Welpe Erziehung Grundlagen: Warum Lass das Glück einziehen mein Rettungsanker war geholfen hat, als ich kurz davor war, alles hinzuschmeißen.
Zwischen Waschsalon und Welpenglück
Gestern stand ich wieder im Waschsalon. Fünf Euro für eine Maschine. Während ich da saß und dem Trockner zusah, kam mir der Gedanke: Warum hat mir das niemand vorher gesagt? In den Instagram-Videos sieht alles immer so perfekt aus. Da schlafen Welpen in weißen Laken und alles ist ästhetisch. Mein Leben ist gerade nicht ästhetisch. Mein Leben riecht nach Essigreiniger und ich habe Augenringe bis zu den Knien.
Aber dann kam dieser Moment heute Morgen. Er ist aufgewacht, hat sich gestreckt, ist zu mir ans Bett gewackelt und hat ganz vorsichtig meine Hand geleckt, bevor er sich auf seinen Platz gesetzt hat, um mir zu signalisieren: „Hey, ich muss mal“. Wir sind runtergegangen, er hat sofort gemacht, und ich war so STOLZ auf diesen kleinen Kerl. Er gibt sich Mühe. Er lernt. Und ich lerne auch.
Falls du also gerade verzweifelst: Du bist nicht allein. Die Stubenreinheit ist kein Sprint, es ist ein verdammter Marathon durch den Schlamm. Aber irgendwann wird es besser. Das sagen zumindest alle in meinem Online-Kurs, und ich entscheide mich jetzt einfach mal, ihnen zu glauben. Bis dahin trinke ich noch einen Kaffee, versuche die Haare von meinem zerlegten Kissen aus dem Teppich zu bekommen und freue mich über jede trockene Stunde.
Wir schaffen das. Irgendwie. Auch wenn wir dafür noch zehnmal nachts im Schlafanzug durch Leipzig rennen müssen.