Welpe beißt in Hände und Füße: Was wirklich gegen die spitzen Welpenzähne hilft

Welpe beißt in Hände und Füße: Was wirklich gegen die spitzen Welpenzähne hilft

Es ist spät an einem Dienstagabend im April und ich sitze auf dem Boden meiner kleinen Küche in Leipzig, starre auf meine zerlöcherten Socken und könnte einfach nur heulen. Vor mir sitzt dieser winzige, flauschige Tierschutz-Mischling, fixiert meine Knöchel mit einem Blick, der irgendwo zwischen 'ich liebe dich' und 'ich fresse dich gleich' schwankt, und wartet nur auf die nächste Bewegung. Meine Knöchel sind übersät mit roten Kratzern und ich frage mich ernsthaft, ob ich mir einen Hund oder einen Piranha ins Haus geholt habe.

Ich bin eigentlich Lehramtsstudentin, ich sollte wissen, wie man Wesen etwas beibringt, ohne die Fassung zu verlieren. Aber gegen diese 28 nadelspitzen Milchzähne hilft kein pädagogisches Seminar der Welt. Wenn man den Puppy Blues ohnehin schon im Gepäck hat, ist jeder Biss in die Wade wie ein kleiner persönlicher Angriff auf die eigene Kompetenz als Hundemama. ER HAT SCHON WIEDER DIE FERNBEDIENUNG erwischt und als ich sie retten wollte, war meine Hand dran. Dieses brennende Gefühl auf dem Handrücken, wenn die Zähne genau die dünne Haut zwischen Daumen und Zeigefinger erwischen – ich sage es euch, das ist kein Spaß.

Das Märchen vom Dominanz-Quatsch

In den ersten zwei Wochen, nachdem ich ihn mit seinen 14 Wochen zu mir geholt habe, dachte ich wirklich, er sei aggressiv. Meine Freunde, die alle keinen Hund haben, aber natürlich alles besser wissen, kamen mit Tipps wie: 'Du musst ihn auf den Rücken werfen, du musst dominant sein!' oder 'Beiß ihn doch mal zurück'. Ernsthaft? Ich beiße doch nicht meinen Hund. Und dieses Dominanz-Gequatsche hat mich nur noch mehr verunsichert. Ich saß hier in meiner WG, die Mitbewohnerin wollte eigentlich schlafen, und der Hund hat meine Füße attackiert, als gäbe es kein Morgen mehr.

Ich habe dann angefangen, alles aufzuschreiben, um nicht verrückt zu werden. Anfang März war es besonders schlimm. Ich dachte, ich hätte alles falsch gemacht. Jedes Mal, wenn ich mich bewegt habe, ist er mir in die Waden gesprungen. Das peinliche Gefühl, laut 'Aua' zu quietschen (wie es in jedem zweiten Blog steht), nur damit der Welpe noch wilder knurrt und erst recht in die Wade springt... Ich kam mir so dumm vor. Mein Quietschen war für ihn wie das Quietschen eines Spielzeugs – eine Einladung, noch fester zuzupacken.

Die Wende: Warum mein Hund kein Monster ist

Die Rettung kam tatsächlich erst, als ich mich für einen Online Welpenkurs angemeldet habe. 129,00 Euro klingen für eine Studentin erst mal viel, aber im Vergleich zu den zerstörten Schuhen und meinen Nerven war es jeden Cent wert. Da habe ich zum ersten Mal begriffen, was Beißhemmung eigentlich bedeutet. Die ist nämlich nicht angeboren. Die müssen die Kleinen erst lernen, wie wir das ABC.

Ein entscheidender Punkt war die Erkenntnis: Mein Hund beißt nicht, weil er böse ist, sondern weil sein Gehirn wegen Übermüdung einfach ausschaltet. Welpen brauchen bis zu 20 Stunden Schlaf am Tag. Wenn meiner mich abends um acht attackiert hat, war er einfach drüber. Er konnte nicht mehr 'klar denken'.

Was bei uns wirklich geholfen hat (und was nicht)

Ich dachte immer, ich muss ihn auslasten, damit er müde wird. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Durch die ständige Action war er in einem Dauerstress-Zustand. In meinem Tagesablauf mit 14 Wochen musste ich erst mal lernen, Ruhepausen förmlich zu erzwingen. Wenn er anfing zu beißen, war das für mich das Signal: 'Ab in die Box oder auf den Ruheplatz, du bist müde!'.

Ein regnerischer Dienstagabend im April

Ich erinnere mich an diesen einen Abend letzte Woche. Es hat geregnet, ich war gestresst wegen einer Hausarbeit und er war wieder völlig im Hai-Modus. Anstatt wie früher verzweifelt 'Nein!' zu brüllen oder ihn wegzuschubsen (was er als Spielaufforderung versteht), habe ich tief durchgeatmet. Ich habe ihn sanft an seinen Platz geführt, ihm einen Kauartikel gegeben (Kauen beruhigt!) und mich einfach daneben gesetzt, ohne ihn zu beachten. Nach fünf Minuten ist er tief und fest eingeschlafen.

Es ist kein Training von heute auf morgen. Es ist eine Lektion in Geduld, die mir kein Seminar an der Uni je so hart beigebracht hat. Manchmal sitze ich immer noch da und verfluche diese spitzen Zähne, besonders wenn er meine letzte gute Jeans erwischt. Aber der Blick in mein Tagebuch zeigt mir: Die Attacken werden seltener. Er lernt langsam, dass meine Haut keine Beute ist.

Wenn du also gerade auch mit zerbissenen Händen dasitzt: Du bist nicht allein. Dein Hund hasst dich nicht. Er ist einfach nur ein Baby mit Nadeln im Mund, das noch nicht weiß, wohin mit seiner Energie. Es wird besser, versprochen. Manchmal hilft es auch, sich einfach mal kurz im Bad einzuschließen, tief durchzuatmen und sich daran zu erinnern, warum man diesen kleinen Chaoten eigentlich wollte. Falls du auch gerade am Anfang stehst, schau dir mal an, wie ich die Erziehungsgrundlagen angegangen bin – das hat mir in den ersten Wochen echt den Hintern gerettet.

Morgen ist ein neuer Tag. Ein Tag mit hoffentlich weniger Löchern in den Socken und mehr Kuschelmomenten. Wir schaffen das!