Woche 1: Zwischen Welpenglück und Weinkrampf auf der Küchentreppe

Überarbeitet

Dienstagabend, 23:45 Uhr – Ich sitze auf den kalten Fliesen meiner Küchentreppe hier in Leipzig und heule mir die Augen aus dem Kopf. Eigentlich sollte ich die glücklichste Frau der Welt sein, oder? Ich habe es doch so gewollt.

Seit zwei Jahren rede ich von nichts anderem mehr. Ich habe mein WG-Zimmer aufgegeben, bin in diese kleine Erdgeschosswohnung gezogen, habe gespart wie eine Wahnsinnige, Körbchen verglichen und hunderte Videos geschaut. Und jetzt? Jetzt starre ich auf den Wischmopp und frage mich ernsthaft, ob ich den kleinen Kerl morgen einfach wieder zurückbringe.

Kurzer Hinweis vorab: In diesem Text erzähle ich ganz ungeschminkt von meinem Chaos. Ich verlinke dir auch die Kurse, die mir gerade den Hintern retten. Wenn du über diese Affiliate-Links etwas kaufst, erhalte ich eine Provision – für dich ändert sich am Preis natürlich gar nichts. Ich empfehle hier nur, was ich als blutige Anfängerin gerade selbst nachts um drei durcharbeite, um nicht völlig durchzudrehen. Hier ist meine Offenlegung.

Gott, das klingt so schrecklich, wenn ich es aufschreibe. Aber ich bin so FERTIG. Heute ist Mittwoch, der 6. Mai 2026. Seit Sonntag habe ich insgesamt vielleicht acht Stunden geschlafen. Nicht pro Nacht. INSGESAMT. Mein Kopf fühlt sich an wie Watte, und jedes Mal, wenn ich die Augen zumache, höre ich dieses hohe, fordernde Winseln.

Der Moment, als mein Bett zur Gefahrenzone wurde

Es fing alles so gut an. Letzten Sonntag habe ich ihn abgeholt. Ein 14 Wochen alter Mischling aus dem Tierschutz. Er sieht aus wie eine Mischung aus einem zu klein geratenen Schäferhund und einem explodierten Sofakissen. Mein Herz ist geschmolzen, als er im Auto seinen Kopf auf mein Knie gelegt hat. Ich dachte: „Wir zwei gegen den Rest der Welt.“

Zwei Stunden später hat er das erste Mal auf den Teppich gepinkelt. Den neuen Teppich. Den „waschbaren“ Teppich, der aber so groß ist, dass er in keine normale Waschmaschine passt. Willkommen in der Realität, Sophie. Ich dachte, ich wäre vorbereitet. Ich habe mein Staatsexamen in Sichtweite, ich kann nächtelang durchlernen, ich kann mit Stress umgehen. Aber ein Welpe ist kein Seminar über Schulpädagogik. Ein Welpe ist ein 24/7-Job ohne Kaffeepause.

Am Montagabend ist es dann passiert. Wir lagen im Bett – ja, ich weiß, „keine Hunde im Bett“, aber er hat so gejammert und ich war so schwach – und plötzlich wurde es warm an meinem Bein. Er hat einfach laufen lassen. Mitten auf die Bettdecke. ER HAT MIR INS BETT GEPINKELT. Während er mich angeschaut hat! Ich habe alles abgezogen, die Waschmaschine angeschmissen, den Ersatzbezug draufgemacht. Zehn Minuten später? Er springt wieder hoch und macht NOCHMAL. Ich stand da, nachts um zwei, im Schlafanzug, und habe einfach nur ins Leere gestarrt. Ich hatte keine saubere Bettdecke mehr. Wenn du wissen willst, wie ich das jetzt handhabe, schau mal hier: Welpe pinkelt ins Bett: Was tun gegen nächtliche Unfälle?

Puppy Blues: Wenn die beste Freundin es nicht versteht

Ich habe meiner besten Freundin eine Sprachnachricht geschickt, in der ich eigentlich nur fünf Minuten lang schluchze. Ihre Antwort? „Aber er ist doch so süß auf den Fotos! Genieß die Zeit, die werden so schnell groß.“

Ich wollte mein Handy gegen die Wand werfen. Ehrlich. Dieses „Genieß die Zeit“ ist der größte Schlag ins Gesicht, wenn man gerade versucht, den Geruch von Hundeurin aus einer Matratze zu bekommen und gleichzeitig eine Hausarbeit über Inklusion schreiben muss. Niemand sagt dir, dass man diesen kleinen Hund in manchen Momenten einfach nur... wegwünschen möchte. Man fühlt sich wie die schlechteste Person der Welt. Ich habe ihn doch gerettet! Er sollte mein bester Freund sein! Stattdessen habe ich Angst vor der nächsten Nacht.

Das ist er also, der Puppy Blues. Diese Mischung aus totaler Überforderung, Schlafmangel und dem Gefühl, dass das eigene Leben, wie man es kannte, gerade für immer gestorben ist. Mein schönes, ordentliches Studentenleben ist weg. Ersetzt durch Essigreiniger und Kauspielzeug.

Was mir gerade den Kopf rettet (und was absolut nicht funktioniert hat)

In meiner Verzweiflung habe ich angefangen, alles zu googeln. „Welpe hört nicht auf zu pinkeln“, „Welpe zerstört Wohnung“. Ich bin auf so viele Foren gestoßen, in denen Leute schreiben: „Ignorier das Jaulen einfach, da muss er durch.“

Spoiler: Das hat ÜBERHAUPT NICHT funktioniert. Er hat sich so in Rage gesteigert, dass er fast keine Luft mehr bekommen hat und ich vor Panik fast den Nottierarzt gerufen hätte. Dieses alte „der muss das lernen“-Ding macht mich nur noch fertiger. Und dann kam der Dienstagnachmittag. Ich war nur 45 Minuten weg, um mich für ein Seminar anzumelden. Als ich wiederkam, hatte er mein Lieblingskissen zerlegt. Das handgestickte von meiner Oma. Überall waren Schaumstoffflocken. ÜBERALL. Er saß mittendrin und hat mich schwanzwedelnd begrüßt. Falls du auch gerade vor Trümmern stehst: Welpe kaut alles an: 5 Soforthilfe-Tipps gegen zerstörte Möbel und Kissen.

Was mir aber wirklich den Arsch gerettet hat, war ein Kurs, den ich am Mittwochabend in einem Anfall von „Ich zahle jeden Preis, wenn mir jemand hilft“ gebucht habe. Ich mache gerade den Kurs Lass das Glück einziehen von Mirjam Cordt. Der Fokus liegt da nicht nur auf „Sitz“ und „Platz“, sondern genau auf diesem emotionalen Chaos, in dem ich gerade stecke.

Ehrlich, der Preis von rund 319 Dollar hat mich als Studentin erstmal schlucken lassen – das ist fast meine halbe Miete hier in Leipzig. Aber als ich das Modul über Überforderung und die ersten Tage gesehen habe, habe ich das erste Mal seit einer Woche wieder tief durchgeatmet. Es ist okay, dass ich heule. Es ist okay, dass ich mich überfordert fühle. Mirjam erklärt das so ruhig, dass mein Puls allein vom Zuschauen sinkt. Es ist wie eine Therapie für Welpen-Eltern. Wenn du auch kurz davor bist, die Koffer für den Hund zu packen, schau dir das mal an.

Für den schmalen Geldbeutel (falls die Waschmaschinenkosten für die Bettwäsche dein Budget schon gesprengt haben) gibt es auch die Online Hundeschule Welpenkurs. Da sind 57 Lektionen drin. Ich nutze das gerade eher als Nachschlagewerk, wenn er mal wieder etwas Neues anstellt, das ich nicht verstehe. Es ist super, um mal eben schnell ein Video zu schauen, während der Kaffee (der vierte heute) durchläuft.

Ein winziger Lichtblick (oder: Die Hoffnung stirbt zuletzt)

Heute Morgen gab es einen Moment – nur einen ganz kurzen – da war es okay. Er kam an, hat sich auf meine Füße gesetzt, während ich in der Küche stand, und hat mich einfach nur angeschaut. Ohne zu beißen. Ohne zu bellen. Er hat einfach nur kurz meine Nähe gesucht. In diesem Moment roch er auch nicht nach Pipi, sondern einfach nur nach... Welpe.

Vielleicht werden wir doch noch Freunde. Vielleicht ist es wie bei einer schweren Prüfung: Die Vorbereitung ist die Hölle, man will zwischendurch alles hinschmeißen, aber am Ende steht man da und ist froh, dass man durchgehalten hat. Nur dass man bei der Prüfung danach keine Haare auf der schwarzen Jeans hat.

Ich weiß, ich bin eine blutige Anfängerin. Ich weiß, dass ich wahrscheinlich noch hundert Fehler machen werde. Aber ich fange jetzt an, mir Hilfe zu holen, die zu mir passt. Wenn du auch gerade in Woche 1 steckst und dich fragst, ob du die einzige bist, die nachts auf der Treppe weint: Nein, bist du nicht. Wir sitzen im selben (leicht nach Hund riechenden) Boot.

Falls du auch gerade dieses Gefühl hast, dass dir alles über den Kopf wächst, kann ich dir den Kurs von Mirjam Cordt wirklich ans Herz legen. Er ist teuer, ja, aber er ist wie eine warme Umarmung für deine Nerven. Hier kannst du dir anschauen, ob das auch was für dich ist. Mir hat es geholfen, den heutigen Tag zu überstehen, ohne den Tierschutzverein anzurufen.

Morgen ist ein neuer Tag. Ein Tag mit weniger Pipi im Bett. Hoffentlich. Drückt mir die Daumen. Ich gehe jetzt versuchen, wenigstens zwei Stunden am Stück zu schlafen, bevor das „Monster“ wieder wach wird.