Welpen beschäftigen in der Wohnung: 5 ruhige Spiele für die Auslastung

Welpen beschäftigen in der Wohnung: 5 ruhige Spiele für die Auslastung

Ich saß an einem verregneten Dienstagabend auf dieser kalten Küchentreppe in meiner WG in Leipzig-Reudnitz und habe einfach nur geheult. Vor mir: die Überreste meines Lieblingskissens. Überall Federn. Und der Hund? DER HAT MICH NUR DOOF ANGEGUCKT. Er war völlig drüber, ist wie ein Bekloppter durch den Flur gerannt und ich dachte nur: Ich schaffe das nicht. Ich bin eine schlechte Hundemama.

Ich dachte wirklich, ich müsste ihn körperlich auspowern. Also habe ich ihn durch die Wohnung gejagt, Bällchen geworfen (dabei ist natürlich meine Schreibtischlampe zu Bruch gegangen, weil er nicht bremsen konnte) und ihn noch mehr angestachelt. Spoiler: Das war die dümmste Idee überhaupt. Er wurde nicht müde, er wurde wahnsinnig.

Irgendwann nachts um eins habe ich mich in meinen Online Welpenkurs eingeloggt, für den ich 89.00 EUR ausgegeben habe, und dort die Erleuchtung gefunden: Nasenarbeit. Kopfschmerz statt Muskelkater. Und vor allem: RUHE.

Warum Action in der Wohnung meistens nach hinten losgeht

Ehrlich gesagt, niemand in meinem Freundeskreis versteht das. Die sagen alle: 'Geh doch einfach länger spazieren!' Aber mein kleiner Tierschutz-Mischling ist erst 14 Wochen alt. Sein Gehirn ist noch eine Baustelle. Wenn ich den drinnen auch noch hochpushe, kriege ich ihn nie zur Ruhe. Dabei brauchen diese kleinen Monster eigentlich 18-20 Stunden Schlaf am Tag. Die Realität? Er hat zwei Wochen lang kaum zwei Stunden am Stück geschlafen, weil ich dachte, ich muss ihn 'bespaßen'.

Hier sind meine 5 absoluten Rettungsanker für Regentage, an denen man in einer kleinen Studentenwohnung nicht verrückt werden will. Alles Spiele, die den Puls unten lassen – für beide Seiten.

1. Die Schnüffel-Box (Upcycling für Arme)

Das ist mein Favorit. Man nehme einen alten Amazon-Karton, fülle ihn mit zerknülltem Zeitungspapier oder alten Socken und verstecke ein paar Leckerlis darin. Es riecht dann zwar in der ganzen Küche nach abgestandenem Kaffee und feuchtem Hundefell, während man auf dem Boden hockt und die Box präpariert, aber es wirkt Wunder.

Er muss seine Nase benutzen. Er muss nachdenken. Nach zehn Minuten Suchen ist er platter, als wenn wir eine Stunde um den Block gelaufen wären. Und das Beste: Er zerlegt danach meistens kein Kissen mehr, sondern schläft einfach ein. Falls deiner auch so eine Knabber-Phase hat, schau dir mal meine 5 Soforthilfe-Tipps gegen zerstörte Möbel an – die Box hat uns da echt gerettet.

2. Das Leckerli-Suchspiel im Wohnzimmer

Ganz simpel: Ich lasse ihn im Flur warten (oder jemand hält ihn fest) und verstecke im Wohnzimmer auf seiner Augenhöhe kleine Futterstückchen. Hinter dem Stuhlbein, auf dem Teppichrand, unter der Ecke vom Sofa. Dann sage ich 'Such!' und er geht los. Es ist so faszinierend zu sehen, wie sich seine kleine Nase bewegt. Man merkt richtig, wie es im Kopf rattert.

3. Der Hand-Touch (Der Fokus-Trick)

Das haben wir im Kurs gelernt. Ich halte meine flache Hand hin, und sobald er sie mit der Nase berührt, gibt es ein Lob und Futter. Das klingt total langweilig, oder? Aber für einen Welpen, der sonst nur Augen für die Fernbedienung oder meine Schnürsenkel hat, ist dieses gezielte Konzentrieren auf meine Hand Schwerstarbeit. Wir machen das vielleicht 2-3 Minuten, dann ist er mental fertig.

4. Das Hütchenspiel

Dafür nehme ich einfach drei leere Joghurtbecher (natürlich ausgewaschen, wir sind ja keine Messis). Unter einen kommt ein Leckerli, ich vertausche sie kurz und er muss mir zeigen, wo es ist. Am Anfang hat er die Becher einfach nur umgeboxt, aber mittlerweile wartet er tatsächlich kurz ab. Das ist Training für die Impulskontrolle – etwas, das mein Hund ungefähr so gut beherrscht wie ich das frühe Aufstehen für 8-Uhr-Vorlesungen. Gar nicht.

5. Die magische Decke (Mein heiliger Gral)

Das ist eigentlich kein Spiel, sondern eine Übung. Ich lege eine bestimmte Decke aus, und wenn er darauf geht und sich hinlegt, passiert... nichts. Außer dass er ab und zu ein Leckerli bekommt, solange er ruhig bleibt. Es geht darum, dass er lernt: Auf dieser Decke wird NICHT gespielt. Hier ist Pause. Das war am Anfang ein KAMPF. Er wollte die Decke fressen, sie schütteln, darauf rumhüpfen.

Die bittere Wahrheit: Langeweile ist auch ein Spiel

Hier kommt der Punkt, den mir vorher niemand gesagt hat: Eigentlich ist das wichtigste Training in der Wohnung das NICHTSTUN. Ich weiß, man fühlt sich schlecht, wenn man den kleinen Kerl da liegen sieht und denkt, man müsste ihn unterhalten. Aber wenn ich ihn den ganzen Tag bespaße, ziehe ich mir einen Junkie ran, der immer mehr fordert.

Ich musste erst lernen, dass es okay ist, wenn er mal zehn Minuten doof aus dem Fenster starrt oder an seinem Kauknochen nagt. Diese gezielte Langeweile war für mich am Anfang fast schwieriger als für ihn. Ich dachte immer, ich vernachlässige ihn. Aber nein, ich helfe ihm, runterzukommen. Wenn ich heute merke, dass er wieder anfängt, in meine Füße zu beißen, weiß ich: Er ist nicht unterfordert, er ist einfach drüber. Dann gibt es keine Action, sondern eine Suchrunde in der Box und danach ab ins Körbchen.

Falls du dich auch gerade fragst, ob du jemals wieder ein normales Leben ohne Puppy Blues führen wirst: Es wird besser. Mir hat es total geholfen, eine feste Struktur zu haben, und die Erziehungsgrundlagen aus meinem Online-Programm waren da echt mein Rettungsanker, wenn ich mal wieder kurz davor war, ihn im Tierheim (nur ein Scherz!) oder bei meiner Mitbewohnerin abzugeben.

Wir lernen noch. Jeden Tag. Aber zumindest weine ich nicht mehr jeden Dienstagabend auf der Küchentreppe. Meistens jedenfalls.