
Ich stehe am Augustusplatz, mein Herz rast fast so schnell wie der Puls des kleinen, zitternden Bündels an meiner Leine, und in der Ferne höre ich dieses fiese, metallische Kreischen. Die 'Bimmel' kommt. In diesem Moment wollte ich eigentlich nur eins: mich hinhocken und mitheulen. Mein 14 Wochen alter Mischling starrt die herannahende gelbe Tram an, als wäre sie ein Drache aus einer schlechten Fantasy-Serie, und ich fühle mich wie die unfähigste Hundemama von ganz Leipzig.
Kurzer Realitätscheck: Ich bin 27, studiere Lehramt und dachte ernsthaft, ich hätte mein Leben im Griff. Dann kam dieser Hund. Hinweis: Mein Blog enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision, aber für dich ändert sich absolut nichts am Preis. Ich empfehle hier nur Sachen, die ich in meinem aktuellen Chaos-Alltag mit Welpen selbst teste oder gerade durcharbeite. Hier findest du meine volle Offenlegung. Aber zurück zum Drama an der Haltestelle.
Warum die Straßenbahn mein Endgegner wurde
Eigentlich fing alles so harmlos an. Ich wollte doch nur mal wieder in die Uni, ohne dass meine Mitbewohnerin danach ein Nervenbündel ist, weil der Kleine die ganze Zeit jault. Aber wenn man in einer 40-Quadratmeter-Bude im Leipziger Osten wohnt, ist die Welt da draußen verdammt laut. Seit Ende Mai 2026 versuche ich nun, diesen kleinen Kerl an die Stadt zu gewöhnen. Aber nach der ersten Woche, in der er mir zweimal ins Bett gepinkelt und mein liebstes Kissen in Watte-Konfetti verwandelt hat, war mein Selbstbewusstsein ohnehin im Keller.
Ich saß an diesem einen Dienstagabend weinend auf der Küchentreppe, weil ich einfach nicht mehr konnte. Der Schlafentzug, die ständige Angst, etwas falsch zu machen – der klassische Puppy Blues hat mich voll erwischt. Und dann soll ich mit diesem Hund, der Angst vor wehenden Plastiktüten hat, in eine vollgestopfte Linie 16 steigen? UNMÖGLICH, dachte ich.

Der totale Absturz in der Linie 16
Mitte Juni dachte ich: Jetzt oder nie. Ich hatte meine Taschen voll mit Leberwurst-Tuben und die Hoffnung, dass alles gut geht. Spoiler: Es ging gar nichts gut. Es war Berufsverkehr, die Tram war voll mit genervten Pendlern und einer Gruppe Teenager, die mich und meine zitternden Hände beobachteten. Ich versuchte, ihn mit der Leberwurst in die Bahn zu locken, während er sich mit allen vier Pfoten in den Asphalt krallte. Die Teenager lachten, ein Mann mit Aktenkoffer schnaufte genervt, und ich wollte einfach nur im Boden versinken.
In meinem Kopf schrie es: 'Ich studiere verdammt noch mal Lehramt, ich soll später 30 Kindern die Welt erklären, aber ich krieg es nicht hin, einer vier Kilo schweren Fellnase eine Schiebetür schmackhaft zu machen!' Ich fühlte mich so unfassbar dumm. Wir sind nicht eingestiegen. Wir sind nach Hause gelaufen, ich mit verquollenen Augen und der Hund völlig fertig mit der Welt.
Dieser Moment war der Wendepunkt. Ich wusste, ich brauche Hilfe, die nicht nur aus 'Du musst halt konsequent sein' besteht. Ich habe mich dann für den Kurs Lass das Glück einziehen angemeldet. Was mich überzeugt hat? Die Statistik von DigiStore24 sagt, dass die Rückgabequote nur bei rund 3 Prozent liegt. Das klang für mich nach etwas, das wirklich funktioniert und nicht nur schlau daherredet. Und ehrlich, Mirjam Cordt spricht da genau die Themen an, die mich nachts wachhalten: Überforderung und diesen verdammten Puppy Blues.
Was ich falsch gemacht habe (und du hoffentlich nicht)
Mein größter Fehler war der Druck. Ich wollte, dass er 'funktioniert'. Aber eine Straßenbahn ist für einen Welpen ein sensorischer Albtraum. Der metallische Geruch der Schienen, der einem in die Nase steigt, wenn man an der Kante steht. Die Vibrationen der Bodenplatten unter den Sneakern, wenn die Bahn einfährt – das fühlt sich für einen kleinen Hund wahrscheinlich an wie ein Erdbeben.
Im Online Hundeschule Welpenkurs, der übrigens 57 Lektionen hat (perfekt, um sie zwischen zwei Seminaren durchzuklicken), habe ich gelernt, dass Sozialisierung nicht bedeutet, den Hund mitten in die Menge zu werfen. Es bedeutet, aus sicherer Entfernung zuzuschauen. Wir haben also angefangen, einfach nur an der Haltestelle zu sitzen. Ohne einzusteigen. Einfach nur gucken.
Das ist übrigens auch der Punkt, an dem ich an all die Leute denke, die nicht im schönen Leipzig wohnen. Ich habe neulich mit einer Freundin telefoniert, die tief im Erzgebirge wohnt. Dort kommt der Bus zweimal am Tag. Da gibt es kein 'wir setzen uns mal kurz an die Haltestelle'. Für diese Welpen ist der erste Kontakt oft eine totale Reizüberflutung, weil man die Gewöhnung gar nicht so kleinschrittig aufbauen kann wie wir hier in der Stadt. Wenn du also ländlich wohnst, sei nicht so hart zu dir selbst – dein Trainingstag sieht zwangsweise ganz anders aus als meiner zwischen Augustusplatz und Hauptbahnhof.

Meine 3 goldenen Regeln für die Stadt-Gewöhnung:
- Timing ist alles: Geh niemals, absolut NIEMALS, während des Berufsverkehrs los. Such dir die Zeit am späten Vormittag, wenn nur ein paar Rentner und andere Studenten unterwegs sind.
- Die Endhaltestelle ist dein Freund: Wir sind oft zur Endstelle gefahren (oder gelaufen), weil die Bahn dort ein paar Minuten steht. Man kann in Ruhe einsteigen, alles beschnüffeln und wieder aussteigen, ohne dass die Tür einem direkt in den Hintern kracht.
- Distanz wahren: Wenn dein Welpe einfriert, bist du zu nah dran. Geh drei Schritte zurück. Es gibt keinen Preis für den schnellsten Einstieg.
Falls du übrigens wie ich dazu neigst, alles in einen festen Plan pressen zu wollen, könnte der Traumhundgenerator was für dich sein. Der geht über 12 Wochen und gibt einem diesen Rahmen, den man im Chaos der ersten Monate so dringend braucht. Mir hat es geholfen, nicht jeden Tag das Rad neu erfinden zu müssen.
Kleine Siege und warme Schuhe
Nach etwa sechs Wochen intensivem (und manchmal echt nervigem) Training passierte es dann an einem schwülen Dienstagnachmittag. Wir saßen im Bus, Linie 70 Richtung Reudnitz. Es war warm, der Bus brummte gleichmäßig vor sich hin. Und plötzlich spürte ich es: dieses warme, schwere Gewicht auf meinem rechten Schuh. Er hatte sich einfach hingelegt und seinen Kopf auf meinem Fuß geparkt.
In dem Moment sind meine Schultern zum ersten Mal seit Wochen richtig abgesackt. Kein Zittern, kein Hecheln. Er hat mir vertraut. Das war besser als jede bestandene Prüfung in der Uni. Wir sind einfach zehn Minuten gefahren, und ich habe fast vergessen, dass ich mal auf der Küchentreppe geheult habe. Fast.
Natürlich gibt es immer noch Tage, an denen alles schiefgeht. Letzte Woche hat er versucht, die Fahrkarte eines Mitfahrers zu fressen. PEINLICH. Aber hey, wir lernen noch. Wenn du auch gerade an dem Punkt bist, an dem du denkst, dass du das mit der Stadt nie hinbekommst: Atme tief durch. Dein Hund muss nicht perfekt sein, er muss nur lernen, dass du auf ihn aufpasst.

Was wir sonst noch so treiben
Wenn wir nicht gerade den ÖPNV unsicher machen, kämpfen wir mit den ganz normalen Welpen-Problemen. Zum Beispiel das Thema Treppen – in meinem Leipziger Altbau ohne Fahrstuhl ein echtes Thema. Ich habe dazu mal aufgeschrieben, warum ich meinen Mischling noch immer die Stufen trage. Oder die Sache mit dem Autofahren, was ja doch nochmal was anderes ist als die Tram. Meine Tipps dazu findest du unter Welpe an das Autofahren gewöhnen.
Am Ende des Tages ist es wie beim Studieren: Man muss die Theorie kennen, aber die echte Erfahrung sammelt man erst in der Praxis – auch wenn die Praxis manchmal nach nasser Hundewolle und Leberwurst riecht. Der Puppy Blues wird weniger, versprochen. Bei mir hat es geholfen, mir einzugestehen, dass ich Hilfe brauche. Ob das nun ein Kurs wie Lass das Glück einziehen ist oder einfach nur das Wissen, dass man nicht alleine ist mit seinem 'Problemhund'.
Wir sitzen jetzt oft an der Endhaltestelle auf einer ruhigen Bank, er schläft auf meinen Füßen und ich beobachte die Welt. Wir haben unseren Rhythmus gefunden. Und falls du gerade nachts um elf wach liegst und dich fragst, warum du dir das angetan hast: Es wird besser. Fang klein an, bleib geduldig und vergiss die Leberwurst nicht. Wir sehen uns in der Linie 16!