
Es ist ein verregneter Morgen im Juni – so einer, an dem man eigentlich nur im Bett bleiben und Hausarbeiten schreiben will. Stattdessen hocke ich auf dem Flurboden meiner Leipziger Altbauwohnung. In der rechten Hand halte ich dieses verflixte neongrüne Geschirr, in der linken ein Stück Käse. Und mein Welpe? Der hockt unter dem Sofa. Ganz hinten. Er sieht mich an, als wäre ich ein Monster, das ihn gleich fressen will – und ich fühle mich auch genau so.
Bevor ich euch erzähle, wie wir aus dieser Nummer wieder rausgekommen sind, ein kurzer Hinweis: In diesem Text stecken Links zu den Kursen, die mir gerade den Hintern retten. Wenn ihr darüber etwas kauft, bekomme ich eine kleine Provision. Für euch kostet es keinen Cent mehr. Ich empfehle hier nur Sachen, die ich als völlig überforderte Studentin gerade selbst im Wohnzimmer teste, um nicht wahnsinnig zu werden. Hier ist meine Offenlegung.
Die Erwartung vs. die harte Leipziger Realität
Ich dachte wirklich, ich wäre vorbereitet. Ich habe Bücher gelesen, YouTube-Videos geschaut und mir ausgemalt, wie wir entspannt durch das Rosental spazieren. Die Realität? Mein kleiner Mischling aus dem Tierschutz ist jetzt 14 Wochen alt und hat in seiner ersten Woche bei mir zweimal ins Bett gepinkelt, ein Kissen zerlegt (Federn! Überall!) und mich so um den Schlaf gebracht, dass ich am Dienstagabend auf der Küchentreppe geheult habe. Einfach so. Weil ich nicht mal wusste, wie ich die Kaffeemaschine bediene, ohne dass er in meine Zehen beißt.
Niemand in meinem Freundeskreis versteht, was Puppy Blues wirklich bedeutet. Die sehen nur die süßen Fotos auf Instagram. Die sehen nicht die Augenringe und die Verzweiflung, wenn man merkt, dass der Hund Panik bekommt, sobald man nur das Wort "Gassi" denkt. Das größte Problem war von Anfang an dieses Ding aus Nylon: das Geschirr.

Warum das Geschirr unser Endgegner wurde
Ich dachte: Geschirr drüber, Klick, fertig. Pustekuchen. Jedes Mal, wenn ich die Schlaufe über seinen Kopf ziehen wollte, ist er erstarrt und dann weggerannt. Ich habe die Körpersprache meines Hundes völlig falsch gelesen. Ich dachte, er ist einfach stur. In Wahrheit hatte er Todesangst vor der Einengung.
Es gab diesen einen Moment, den ich nie vergessen werde. Ich musste dringend los zur Uni, die Seminaranmeldung lief und ich war spät dran. Ich habe versucht, ihn mit einem Leberwurstbrot ins Geschirr zu locken, während ich leise geflucht habe, weil ich eigentlich zum Seminar musste. Er hat die Leberwurst genommen, ist aber rückwärts aus dem Geschirr geschlüpft und hat sich unter dem Küchentisch verkrochen. Ich saß da, mit zittrigen Händen, und dachte nur: Dachte ich wirklich, ich könnte das? Ich kann nicht mal ein Stück Nylon an einen Hund binden, ohne dass wir beide weinen.
Dieses Gefühl des Versagens ist so real. Besonders wenn man liest, wie einfach das bei anderen klappt. Aber bei Welpen mit extremer Trennungsangst oder schlechten Erfahrungen versagen Standard-Lockmethoden oft komplett. Das Geschirr wird durch den stressbedingten Fluchtinstinkt sofort mit der räumlichen Einengung assoziiert. Jedes Mal, wenn ich es in die Hand nahm, war der Tag eigentlich schon gelaufen.
Der Wendepunkt: Hilfe für meine Nerven
Irgendwann nachts um zwei, als der Kleine endlich schlief und ich mal wieder googelte, ob man Hunde auch nach einer Woche wieder zurückgeben kann (ja, die Gedanken hatte ich!), bin ich auf Lass das Glück einziehen von Mirjam Cordt gestoßen. Was mich sofort gecatcht hat: Es geht dort nicht nur um Sitz und Platz, sondern um die Emotionen. Um den Puppy Blues. Um das Ankommen.
Die Statistik bei DigiStore24 sagt, dass die Rückgabequote dieses Programms bei gerade mal 3 Prozent liegt. Das hat mir als skeptischer Studentin irgendwie Sicherheit gegeben. Wenn so viele Leute damit klarkommen, vielleicht schaffe ich es auch? Mirjam Cordt erklärt nämlich, dass man den Hund nicht überrumpeln darf. Besonders Tierschutzwelpen brauchen eine ganz andere Herangehensweise, wenn es um das Thema Berührungen und Equipment geht.

Wie wir das Training neu aufgebaut haben
Ich habe gelernt, dass ich meine eigene Anspannung erst mal runterfahren muss. Das ist leichter gesagt als getan, wenn die Mitbewohnerin schon genervt guckt, weil der Hund mal wieder jault. Aber ich habe angefangen, das Geschirr einfach nur im Wohnzimmer liegen zu lassen. Es ist jetzt ein Teil der Einrichtung, genau wie meine Stapel mit Fachliteratur.
Ein paar Dinge, die wir geändert haben:
- Kein Über-den-Kopf-Ziehen mehr. Wir haben ein Geschirr mit Schnalle am Hals gesucht (ja, das gibt es!).
- Das kalte Gefühl der Fliesen auf meinen Knien, während ich minutenlang regungslos mit einer Schlaufe in der Hand im Flur wartete – das war mein neues Hobby. Ich habe gewartet, bis ER zu MIR kam.
- Ich habe aufgehört, das Geschirr mit dem stressigen Rausgehen zu verknüpfen. Wir haben es einfach mal kurz beim Fressen angezogen und sofort wieder ausgezogen.
Parallel dazu mache ich die Online Hundeschule. Die haben 57 Lektionen, was mich am Anfang total erschlagen hat, aber man kann sich genau das rauspicken, was man braucht. Für uns war das Thema Desensibilisierung lebensrettend. Wer noch ganz am Anfang steht, sollte sich vielleicht die Checkliste für die ersten Wochen anschauen, damit man nicht so kopflos startet wie ich.
Das Klicken und die zittrigen Hände
Kennt ihr das? Ein flaues Gefühl im Magen und zittrige Hände, jedes Mal wenn ich das Klicken des Plastikverschlusses hörte, weil ich wusste, er würde gleich wieder wegrennen. Das war wie eine Klassische Konditionierung – aber bei mir, nicht beim Hund! Ich war so gestresst vom Misserfolg, dass ich den Stress auf ihn übertragen habe.
In einer der Lektionen wurde erklärt, dass man das Klicken des Verschlusses separat üben muss. Also saß ich abends auf dem Sofa und habe einfach nur das Geschirr auf- und zugemacht. KLICK. Keks. KLICK. Keks. Meine Mitbewohnerin dachte wahrscheinlich, ich habe jetzt völlig den Verstand verloren, aber es hat funktioniert. Nach ein paar Tagen hat der Kleine nicht mehr gezuckt, wenn das Geräusch kam.
Was mir auch geholfen hat, war der Traumhundgenerator. Das ist ein Programm, das einen 12 Wochen lang per E-Mail begleitet. Das ist perfekt für meinen chaotischen Studentenalltag, weil man jeden Tag einen kleinen Impuls bekommt. Es bricht diesen riesigen Berg "Hundeerziehung" in kleine, verdauliche Happen auf. Denn ganz ehrlich: Wenn ich an alles gleichzeitig denke – Stubenreinheit, Leinenführigkeit, Alleinebleiben –, dann will ich mich nur unter der Decke verkriechen.
Ein winziger Lichtblick im Juni-Regen
Heute Morgen war es wieder soweit. Regen in Leipzig. Ich hocke im Flur. Ich habe das Geschirr in der Hand. Aber diesmal bin ich ruhig geblieben. Ich habe nicht gelockt. Ich habe nicht geflucht. Ich habe einfach gewartet. Und wisst ihr was? Er kam von selbst an. Er hat seine Nase durch die Öffnung gesteckt, weil er wusste: Hier passiert nichts Schlimmes.
Es ist noch nicht perfekt. Wir kämpfen immer noch mit der Leinenführigkeit und er findet Pfützen immer noch extrem suspekt. Aber wir haben aufgehört zu kämpfen. Das Geschirr ist kein Endgegner mehr, sondern nur noch ein Kleidungsstück.
Wenn ihr auch gerade an diesem Punkt seid, wo ihr heulend in der Küche sitzt und euch fragt, warum ihr euch das angetan habt: Es wird besser. Aber man muss sich erlauben, Hilfe anzunehmen. Egal ob es ein Onlinekurs ist oder einfach das Eingeständnis, dass man gerade überfordert ist. Schaut euch mal diesen Kurs hier an – er hat mir geholfen, meinen Hund (und mich selbst) besser zu verstehen. Wir lernen das jetzt zusammen, Schritt für Schritt, zwischen Hausarbeiten und Gassi-Runden.