
Du wirst vielleicht mehrmals in einer Woche auf einer Treppe sitzen, nur heulen und glauben, dass du für die Welpenerziehung als Anfängerin komplett ungeeignet bist.
Mein Mischlingswelpe aus dem Tierschutz hatte gerade zum zweiten Mal in dieser Woche mein frisch bezogenes Bett geflutet, und ich saß auf der schmalen Stufe vor unserer Abstellkammer in der Küche, ein zerrupftes Kissen im Schoß, dessen Federn überall im Zimmer verteilt lagen.
Was ich damals noch nicht kannte, war das Wort dafür: Puppy Blues. Niemand in meinem Freundeskreis hat kapiert, warum eine erwachsene Frau wegen eines vierzehn Wochen alten Welpen auf der Treppe sitzt, aber genau das ist Welpenerziehung als Anfängerin in echt – kein Filter, nur nasse Wimpern und der Essiggeruch vom Putzlappen in der Nase.
Bevor es weitergeht: Dieser Text enthält Affiliate-Links, und ich schreibe hier nur über Welpenkurse, die ich gerade selbst durcharbeite, irgendwo zwischen Seminaren und Hundealltag. Hier ist meine vollständige Offenlegung.
Der Abend auf der Treppe zur Abstellkammer
Genau in dieser Nacht kam der Gedanke hoch, den man laut eigentlich nie sagen darf: Soll ich ihn zurückgeben? Direkt danach die Scham, so groß, dass sie fast wehtat.
Über meinem Schreibtisch blättert seit Ewigkeiten eine Ecke der Stuckdecke ab, und in dieser Woche habe ich öfter zu ihr hochgeschaut als in mein Uni-Skript, weil an konzentriertes Arbeiten einfach nicht zu denken war.
Zwei Wochen ins Chaos hinein habe ich angefangen, alles aufzuschreiben – jede kleine Katastrophe und jeden kleinen Sieg, sonst wäre ich komplett durchgedreht.

Warum Sitz und Platz in Woche eins komplett egal waren
Sitz und Platz waren im Juni das Allerletzte, was zählte. Wichtiger war, dass ICH nicht komplett durchdrehte, bevor er überhaupt verstehen konnte, was ich von ihm wollte.
Ein Trainer aus meinem Online-Kurs hat mir irgendwann die 3-3-3-Regel erklärt: drei Tage grobe Orientierung, drei Wochen Eingewöhnung, drei Monate bis er wirklich ankommt. Ich war ungefähr in Tag vier und habe schon Wunder erwartet.
Unser Fenster geht zum Hof raus und hat keinen Rollladen, deshalb ist es bei uns schon kurz nach fünf komplett hell. Durchschlafen war in den ersten Wochen für uns beide eher Wunschdenken als Realität.
Der Kurs Lass das Glück einziehen von Mirjam Cordt war für mich der Punkt, an dem sich etwas gelöst hat. Sie nimmt einen Schritt für Schritt durch genau diese Achterbahn, und laut der Statistik der Plattform liegt die Rückgabequote für ihren Kurs bei nur rund drei Prozent – für mich ein Zeichen, dass andere Frauen mit demselben Chaos durchhalten, statt den Hund wieder abzugeben.
Besonders wenn der Welpe nicht draußen macht und stattdessen lieber das WG-Zimmer flutet, hilft es, jemanden zu haben, der sagt: Das wird schon. Stubenreinheit kommt bei Rettungshunden oft langsamer als man denkt, das musste ich erst mal aushalten lernen. Mirjam spricht Überforderung so direkt an, dass ich mich zum ersten Mal nicht wie eine Versagerin gefühlt habe.
Was passiert, wenn Ignorieren nicht hilft?
Ein Tipp aus dem Kurs lautete: Ignorier ihn, wenn er nachts jault, sonst lernt er, dass sich Jaulen lohnt. Also habe ich es versucht. Drei Nächte lang.
Es wurde nicht ruhiger. Es wurde LAUTER. Nachts, wenn der Fütterungs-Alarm auf meinem Handy losgeht, ist unsere Küche stockdunkel bis auf das kalte Blau vom Display, und genau in diesen Momenten hat mich das Jaulen am meisten fertiggemacht.
Danach hat meine Mitbewohnerin Nele Zacharias, die ohnehin extrem leicht schläft, einen Zettel an die Badezimmertür geklebt, statt anzuklopfen – sie beschwert sich grundsätzlich nur schriftlich, das ist einfach ihre Art. Darauf stand nur: Vielleicht doch mal reingehen?
Also habe ich es gelassen. Ignorieren war für uns schlicht der falsche Weg, und das war okay – nicht jeder Tipp aus einem Kurs passt auf jeden Hund.
Wenn dein Welpe ständig Aufmerksamkeit fordert, probier lieber aus, wann genau er tatsächlich zur Ruhe kommt, statt stur eine einzige Methode durchzuziehen, nur weil sie in einem Video funktioniert hat.

Online-Welpenkurs statt teurer Einzelstunden: Struktur für den Hundealltag
Einzelstunden bei einem Trainer hier in Leipzig kosten für eine Studentin wie mich schlicht zu viel, deshalb ergänze ich mit dem Online Hundeschule Welpenkurs. 57 Lektionen, die wirklich fast jedes Detail abdecken – für mich eher Nachschlagewerk als ein Kurs, den man von vorne bis hinten durcharbeitet.
Dort habe ich nachgeschaut, als er anfing, sein Futter zu verteidigen. Bei Welpe verteidigt Futter ging es ihm offenbar wie vielen Tierschutzhunden: Wer zuerst frisst, überlebt, das hatte er woanders gelernt. Mit ein paar konkreten Übungen aus dem Videokurs ist das inzwischen kaum noch ein Thema.
Zwischen zwei Seminaren nachts um elf noch eine Lektion schauen, während er endlich schläft – das ist gerade mein Alltag, ungefähr wie Prüfungsphase, nur mit Fell. Ihn für ein paar Stunden allein in der Wohnung zu lassen, während ich im Seminar sitze, üben wir dabei erst in ganz kleinen Schritten.
Im Gruppen-Chat des Kurses schreibt eine andere Teilnehmerin, Tamara Rüdiger, fast jeden Abend zwischen zehn und elf. Ihr Pudelmix ist schon drei Wochen weiter als meiner, und allein zu lesen, dass sie ähnliche Nächte hatte, hat mir mehr geholfen als jeder Ratschlag aus meinem eigentlichen Freundeskreis.

Woche sechs im Mariannenpark: der Spaziergang, der alles änderte
Wir sind inzwischen in Woche sechs, und die Leine liegt heute anders in meiner Hand als noch im Juni.
Letzte Woche im Mariannenpark Gohlis ist er auf einmal fünf Schritte einfach neben mir hergetrottet, ganz ohne zu ziehen, und ich bin mitten auf dem Weg stehen geblieben, weil ich das kaum fassen konnte.
Ich erkenne inzwischen den Unterschied zwischen seinem Ich-muss-mal-Blick und seinem Mir-ist-nur-langweilig-Blick, was am Anfang für mich schlicht dasselbe Gesicht war. Wann er einfach nur übermüdet ist statt schlecht erzogen, lerne ich gerade erst zu unterscheiden, meistens genau dann, wenn ich selbst mitten in der Prüfungsphase stecke.
Weil ich ohne Straßenbahn nicht zu meinen Seminaren komme, üben wir gerade zusätzlich, wie er an Bus und Bahn gewöhnt wird – in einer Stadt wie Leipzig führt daran einfach kein Weg vorbei.
Perfekt ist trotzdem nichts. Gestern hat er meinen einzigen Lieblingsschuh als Kauspielzeug entdeckt, weil ich ihn dumm herumstehen ließ, und die Dielen im Flur knarzen bei jedem meiner Schritte, wenn ich nachts nochmal nachschauen gehe, ob er wirklich schläft.

Was ich Anfängerinnen mit Tierschutzwelpe mitgeben würde
Solltest du gerade selbst auf einer Treppe sitzen und überlegen, ob du komplett ungeeignet für diesen Hund bist: Das Gefühl verschwindet nicht durch das eine perfekte Kommando, sondern durch eine feste Struktur, die dir sagt, was als Nächstes kommt. Wann genau ein Leckerli kommt und wann nicht, ist gefühlt eine eigene Wissenschaft, aber genau das übe ich gerade in kleinen Schritten weiter.
Manche brauchen dafür eher einen täglichen Anker als einen langen Kurs. Der Traumhundgenerator begleitet zum Beispiel zwölf Wochen lang jeden Tag per E-Mail, und dieser feste Rahmen hätte mir in den ersten Wochen wahrscheinlich einiges an Panik erspart.
Am meisten geholfen hat mir am Ende aber trotzdem Lass das Glück einziehen, einfach weil der Kurs die Gefühle genauso ernst nimmt wie das eigentliche Training.
Die eine Lektion, die bei mir hängengeblieben ist: Nicht jeder Tipp funktioniert bei jedem Hund, und das ist kein persönliches Versagen, sondern einfach Information für den nächsten Versuch.