Welpe beißt in die Leine: Tipps gegen das Zerren und Kauen beim Gassi

Welpe beißt in die Leine: Tipps gegen das Zerren und Kauen beim Gassi

Ich stehe mitten im Clara-Zetkin-Park, es ist ein schwüler Nachmittag letzte Woche, und ich möchte einfach nur weinen. Vor mir führt mein 14 Wochen alter Welpe einen Veitstanz auf. Er knurrt, er springt, und er hat sich so fest in seine Leine verbissen, dass er daran reißt wie ein Krokodil an seiner Beute. Ich spüre das raue Gefühl der nassen, angekauten Nylonleine in meiner Hand, die nach Hundespeichel riecht, während meine Fingerknöchel vor Anspannung weiß werden.

Andere Hundebesitzer gehen vorbei, lächeln mitleidig oder – noch schlimmer – geben diese super klugen Ratschläge im Vorbeigehen. „Der will nur spielen“ oder „Du musst ihm zeigen, wer der Herr im Haus ist“. Ja, danke für nichts. Ich versuche einfach nur, meine zerkaute 2-Meter-Leine zu retten und irgendwie nach Hause zu kommen, ohne dass meine Nerven komplett durchbrennen.

Wenn der Spaziergang zum Ringkampf wird

Eigentlich dachte ich, Gassi gehen wäre entspannend. Ein bisschen frische Luft, ein bisschen Bewegung zwischen zwei Seminaren. Die Realität? Ein Kampf. Seit dem Einzug des Welpen im frühen Sommer habe ich gefühlt mehr Zeit damit verbracht, Leinen aus kleinen Kiefern zu puhlen, als tatsächlich zu laufen. Jedes Mal, wenn wir losgehen, dauert es keine fünf Minuten, bis er die Leine packt und schüttelt.

Ich habe alles probiert. Schimpfen (hat ihn nur noch mehr angestachelt), Stehenbleiben (er hat einfach weitergekaut), Leckerlis (er hat das Leckerli gefressen und SOFORT wieder die Leine gepackt). Ich war so verzweifelt, dass ich am Dienstagabend wieder auf der Küchentreppe saß und mich gefragt habe, ob ich einfach zu dumm für einen Hund bin.

Nahaufnahme einer nassen, angekauten Hundeleine in der Hand einer jungen Frau.

Warum macht er das eigentlich? (Spoiler: Er hasst mich nicht)

Nach den ersten zwei Wochen dachte ich wirklich, er macht das, um mich zu ärgern. Aber mein Online-Kurs hat mir die Augen geöffnet. Mein kleiner Mischling hat 28 nadelspitze Milchzähne, die gerade alle irgendwie im Kiefer drücken. Kauen beruhigt Welpen. Aber es ist nicht nur das Gebiss.

Oft ist dieses „In-die-Leine-Beißen“ purer STRESS. In Leipzig ist immer was los – Fahrräder, Straßenbahnen, andere Hunde. Wenn sein kleines Gehirn überfordert ist, muss die Energie irgendwohin. Und da ist sie nun mal, die Leine, direkt vor seiner Nase. Es ist ein Ventil für seine Überstimulation.

Ein wichtiger Punkt, den ich lernen musste: Welpe im Zahnwechsel: Tipps gegen Schmerzen und kaputte Socken sind Gold wert, aber an der Leine geht es oft um mehr als nur kauende Zähne. Es ist oft ein Zeichen von „Ich kann gerade nicht mehr, alles ist zu viel!“.

Mein größter Fehler: Der ewige Kampf um die Spannung

Hier kommt der Teil, der für mich alles verändert hat – und den mir niemand vorher gesagt hat. Ich habe die Leine immer STRAMM gehalten, wenn er angefangen hat zu beißen. Ich wollte ihn kontrollieren, ihn wegziehen. Aber genau das war der Fehler.

Hör auf, die Leine permanent straff zu halten, denn das ständige Zuggefühl provoziert bei vielen Welpen erst recht den Beißreflex, anstatt ihn zu unterbinden. Es ist wie ein Tauziehen. Wenn ich ziehe, zieht er gegeneinander. Mein Welpe denkt: „Oh cool, wir spielen!“ – während ich kurz vorm Nervenzusammenbruch stehe.

Ich habe gemerkt, dass meine eigene Anspannung direkt durch die Leine zu ihm wandert. Wenn meine Hand verkrampft, wird er wilder. Es ist ein Teufelskreis aus Nylon und Frust.

Ein 14 Wochen alter Welpe, der spielerisch versucht, in die Leine zu beißen.

Was bei uns endlich geholfen hat (und was gar nicht)

Seit Beginn des Online-Kurses versuche ich das Konzept „Lass das Glück einziehen“. Das klingt erst mal total esoterisch, aber eigentlich bedeutet es nur: Nimm den Fokus vom Konflikt weg. Hier sind meine drei „Life-Saver“ für den Alltag in Leipzig:

Besonders schwierig war am Anfang auch das ganze Drumherum. Wir mussten erst mal lernen, dass Gassi gehen nicht bedeutet, Kilometer zu machen. Wie lange mit Welpen spazieren gehen? – diese Frage habe ich mir ständig gestellt, bis ich merkte: 10 Minuten ohne Leinenbeißen sind besser als 30 Minuten Ringkampf.

Kleine Siege und nasse Hände

Gestern hatten wir einen Moment, da hat er die Leine für fast fünf Minuten komplett ignoriert. Ich hätte ihn am liebsten abgeknutscht (habe ihn stattdessen ruhig gelobt). Ich lerne langsam, dass Erziehung kein gerader Weg ist. Es gibt Tage, da klappt alles, und Tage, da fühle ich mich wie die schlechteste Hundemama von Leipzig.

Ich spüre oft dieses brennende Gefühl in den Augenlidern vor Müdigkeit, während ich versuche, tief durchzuatmen, um meine Frustration nicht auf den Hund zu übertragen. Aber dann schaut er mich mit seinen Knopfaugen an und ich weiß, wir schaffen das. Wir sind beide Anfänger. Wir lernen das gerade erst.

Eine junge Frau sitzt erschöpft auf einer Parkbank, der Welpe wartet ruhig an lockerer Leine.

Falls du auch gerade verzweifelst: Du bist nicht allein. Puppy Blues ist echt und Leinen-Piranhas sind anstrengend. Manchmal hilft es schon, sich einzugestehen, dass es okay ist, genervt zu sein. Wir mussten zum Beispiel auch erst lernen, wie wir ihn überhaupt stressfrei fertig machen, bevor wir das Haus verlassen – wir mussten den Welpe an das Geschirr gewöhnen, was schon ein Abenteuer für sich war.

Bleib dran, lass die Leine locker (auch wenn es schwerfällt!) und atme tief durch. Der nächste schwüle Nachmittag im Park kommt bestimmt – aber vielleicht diesmal ohne Tränen auf der Küchentreppe.