Umgang mit ungefragten Hundetipps: Wie ich mich gegen schlaue Ratschläge wehre

Tierschutzhund-Welpe an lockerer Leine am Karl-Heine-Kanal in Plagwitz, während eine Passantin ungefragt Hundetraining-Tipps gibt

Elf. So oft hat mir in dieser einen Woche am Karl-Heine-Kanal in Plagwitz ein wildfremder Mensch ungefragt Hundetraining-Tipps gegeben, während ich mit meinem Tierschutzhund unterwegs war. Ich habe als Ersthundehalterin mitgezählt, sonst hätte ich es selbst nicht geglaubt. Mein Welpe zog gerade Richtung einer weggeworfenen Bratwurst, drehte einen seiner berüchtigten Zoomies quer über den Weg, und eine Frau blieb stehen, schaute auf meine Hand an der Leine und sagte den Satz, den ich mittlerweile im Schlaf aufsagen kann: Wenn Sie die Leine so halten, lernt der Hund nie, wer hier das Sagen hat.

Bevor es weitergeht, kurz dazu: In diesem Text stecken auch Affiliate-Links zu Kursen, die ich selbst ausprobiert habe. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, du zahlst keinen Cent mehr. Empfehlen tue ich nur, was bei uns wirklich getestet wurde, meine komplette Offenlegung findest du hier.

Warum ungefragte Hundetipps mich fast fertiggemacht haben

Dieses Engegefühl in der Brust kenne ich mittlerweile auswendig. Schweißgebadet, Locken wild vom Kopf abstehend, wollte ich der Frau am Kanal nur sagen, dass sie keine Ahnung hat. Sie wusste nichts von der Nacht, in der ich auf der schmalen Treppe zu unserer Küche saß und geweint habe, weil er zum zweiten Mal ins Bett gepinkelt hatte. Sie wusste auch nicht, dass ich seit Stunden wach war und dass mir jeder gut gemeinte Rat gerade vorkam wie ein Schlag ins Gesicht. Selbst der Nachbar von nebenan, der eigentlich nur nett sein wollte, erklärte mir kurz danach ungefragt ein Stück Hundeerziehung, als hätte ich davon noch nie etwas gehört.

Elf verschiedene Menschen, elf verschiedene Themen. Mal ging es um Impulskontrolle beim Betteln, mal um Sozialisierung, weil ich angeblich viel zu spät mit ihm unter Menschen gehe, mal darum, dass ich seine Körpersprache komplett falsch lese. Andere hatten eine Theorie zur Ressourcenverteidigung am Napf, erklärten mir, wie ich ihn ans Staubsauger-Geräusch gewöhnen soll, oder schworen, ein Welpe mit vierzehn Wochen dürfe längst nicht mehr ins Bett pinkeln. Sogar zur Frage, wie lange man mit so einem jungen Hund überhaupt spazieren gehen darf, ohne die Gelenke zu belasten, hatte jemand eine Grundsatzrede parat, meistens jemand, dessen letzter eigener Welpe gefühlt zehn Jahre zurückliegt.

Unsicherer Welpe eines Ersthundehalterin-Haushalts versteckt sich unter dem Sofa nach einem missglückten Erziehungsversuch

Puppy Blues und die Sache mit dem lauten Nein

Genau in dieser Verzweiflung habe ich auf einen Rat gehört, der mir bis heute peinlich ist. Ein Nachbar meinte, ich solle bei jedem Kauversuch einfach laut NEIN rufen, dann würde der Kleine das schon verstehen. Ich hab's tagelang gemacht, jedes Mal wenn er sich einen Kabelstrang oder mein Sockenpaar schnappte.

Gebracht hat es: nichts.

Er kaute einfach weiter, nur lauter, während ich immer heiserer wurde.

Was mir niemand vorher gesagt hat: Dieses Gefühl, komplett unter der Situation begraben zu sein, hat einen Namen, Puppy Blues, aber wie tief das bei mir saß, ist eine andere Geschichte für einen anderen Text. In meinem Online-Welpenkurs habe ich über den Gruppenchat Tamara Rüdiger kennengelernt, die mit ihrem Pudelmix schon drei Wochen weiter in der Eingewöhnung ist als ich. Wenn sie mir nachts schreibt, dass ihre Wohnung auch gerade aussieht wie nach einem Einbruch, fühle ich mich zum ersten Mal an dem Tag nicht mehr allein mit dem Chaos.

Auch beim Timing fürs Leckerli hat jeder eine andere Meinung, genauso beim Thema Beißhemmung oder wenn's ums Alleinebleiben geht. Sobald ich ihn einfach mal zur Ruhe kommen lassen will, statt mit ihm durch den Kiez zu ziehen, kommt garantiert der nächste Kommentar, ich müsse ihn doch auspowern, sonst schläft er nachts nicht durch.

Der Unterschied zwischen Ratschlag und echter Unterstützung

Nele, meine Mitbewohnerin, hat zu alldem nie ein Wort gesagt, obwohl sie mit Hunden eigentlich gar nichts am Hut hat. Sie lässt in der Küche regelmäßig eine viel zu große Portion Nudeln auf dem Herd stehen, kommentiert aber weder das Chaos noch meine Erziehungsmethoden. Genau diesen Unterschied musste ich erst verstehen: Nicht jeder, der seit zwanzig Jahren einen Hund hat, weiß automatisch, wie mein sensibler Mischling aus dem Tierschutz tickt. Bevor überhaupt an Training zu denken war, musste ich erst lernen, meine Wohnung welpensicher machen zu können, damit er gar nicht erst in Versuchung kommt, Dinge zu fressen, die er nicht fressen soll.

Nasser Fleck und Putzmittel in der Studentenküche einer Ersthundehalterin während der Stubenreinheit-Phase des Tierschutzhund-Welpen

Parallel dazu musste ich herausfinden, wie mein Welpe im Treppenhaus der Mietwohnung ruhig bleibt, sonst hätte mein Vermieter irgendwann ein ernstes Wort mit mir gesprochen. Das war mir wichtiger als jeder Ratschlag zur Rangordnung, weil es ein Problem war, das ich in meinem eigenen Alltag lösen musste, nicht in der Theorie eines Fremden.

Grenzen setzen, auch gegenüber gut gemeinten Ratschlägen

Irgendwann zwischen dem x-ten Mal Pfützen-Wischen platzte mir der Kragen. Widersprüchliche Tipps, von "Lass ihn bloß nicht ins Bett" bis "Er braucht doch Körpernähe", machten mich fertiger als der Schlafmangel selbst. Also habe ich angefangen, höflich, aber bestimmt zu sagen: "Danke für den Tipp, aber wir arbeiten gerade nach einem eigenen Plan." Punkt, keine Rechtfertigung mehr hinterher.

Diesen eigenen Plan habe ich mir mit dem Programm Lass das Glück einziehen zusammengebaut, weil Mirjam Cordt darin genau diese Überforderung anspricht, statt nur Sitz und Platz abzufragen. Dass die Rückgabequote bei diesem Kurs laut DigiStore24 bei rund drei Prozent liegt, hat mir damals gezeigt, dass ich nicht die Einzige bin, die sich sowas überhaupt sucht. Preislich liegt es im oberen Bereich, das muss man erstmal verdauen, aber es hat mir mehr Sicherheit gegeben als jeder Spruch im Park.

Laptop mit Online-Welpenkurs neben Hundeleine auf dem Schreibtisch, Hundetraining-Tipps als Alternative zu ungefragten Ratschlägen

Ein strukturierter Weg durch das Chaos

Wenn draußen der Regen gegen unser hofseitiges Fenster ohne Rollladen prasselt und mein Welpe nicht raus will, ist das inzwischen einfach ein Fakt, kein Drama mehr. Dann üben wir eben drinnen, während ich nebenbei an einer Hausarbeit sitze.

Als Nachschlagewerk neben dem Hauptkurs nutze ich außerdem die Online Hundeschule, weil sie mit 57 Lektionen ziemlich genau das Problemchen abdeckt, das mich gerade nervt, ohne dass ich extra jemanden anrufen muss. Für mein schmales Studibudget ist das der günstigste Einstieg, den ich bisher gefunden habe.

Wer sich einen festen Rahmen für die ersten Monate wünscht, findet den vielleicht eher im Traumhundgenerator, einem zwölf Wochen langen E-Mail-Begleitprogramm mit einer kleinen Aufgabe pro Tag. Genau das bricht den riesigen Berg an Erziehung in Happen auf, die neben Hausarbeiten und Hundegebell überhaupt noch zu schaffen sind.

Mein Fazit: Hör auf dein eigenes Tempo

In Woche sieben saß ich zwanzig Minuten am Schreibtisch unter der Stuckdecke, deren Ecke über mir seit Monaten abblättert, und tippte an einer Hausarbeit. Kein Fiepen, kein Kratzen an der Tür, einfach nur die Tastatur und sein ruhiger Atem hinter mir. Ich hab mich kaum getraut, mich zu bewegen, aus Angst, den Moment kaputtzumachen.

Heute lächle ich Menschen am Kanal meistens nur noch freundlich an und gehe weiter. Mein Mischling und ich sind ein Team, auch wenn ER GESTERN ERST MEIN LADEKABEL ANGEKNABBERT HAT. Wenn dir gerade alles über den Kopf wächst: Nimm dir EINE Methode, die zu deinem Alltag passt, wie zum Beispiel Lass das Glück einziehen, und zieh sie durch, statt jedem ungefragten Tipp im Park hinterherzurennen. Die Leute mit den klugen Sprüchen sehen sowieso nur die glänzende Fassade, nicht die Nächte davor. Du schaffst das, auch ohne ihre schlauen Ratschläge.