Welpe Sitz und Platz beibringen: Tipps für das erste Training im neuen Zuhause

Welpe Sitz und Platz beibringen: Tipps für das erste Training im neuen Zuhause

Ich sitze auf dem klebrigen Linoleum meiner kleinen Küche in Leipzig, meine Finger riechen penetrant nach getrockneter Leberwurst und mein 14 Wochen alter Mischling starrt mich an, als hätte ich gerade versucht, ihm Quantenphysik zu erklären – dabei wollte ich doch nur ein simples „Sitz“.

Ehrlich gesagt? Ich bin am Ende. Seit sechs Wochen wohnt dieser kleine Wirbelwind nun bei mir, und während meine Instagram-Bubble mir ständig Bilder von perfekt hörenden Welpen in die Timeline spült, sitze ich hier und frage mich, ob ich jemals wieder eine Nacht durchschlafen werde. In der ersten Woche im Juni hat er mir zweimal ins Bett gepinkelt und mein liebstes Lesekissen in seine molekularen Bestandteile zerlegt. Am Dienstagabend saß ich weinend auf der Küchentreppe, weil ich einfach nicht mehr konnte. Der Puppy Blues hat mich so richtig im Schwitzkasten.

Vom Chaos zur ersten Brücke: Warum Training mehr als nur ein Trick ist

Anfangs dachte ich, Sitz und Platz sind nur dazu da, um vor den anderen Leuten im Park anzugeben. Aber nach der zweiten Woche totalen Chaos habe ich begriffen: Es ist unsere einzige Sprache. Wir haben keine Worte, wir haben nur diese kleinen Signale. Mein kleiner Tierschutz-Held weiß ja nicht, dass er die Fernbedienung NICHT als Kauspielzeug benutzen soll (ER HAT SCHON WIEDER DIE FERNBEDIENUNG GEKLAUT, während ich das hier schreibe!).

Nahaufnahme einer Hand mit Hundeleckerli und einer neugierigen Welpennase.

Ich mache gerade einen Online-Welpenkurs, weil ich im echten Leben kaum jemanden habe, der versteht, warum ich wegen eines Hundes so fertig bin. Meine Freunde sagen: „Es ist doch nur ein Hund.“ Aber es ist eben nicht „nur“ ein Hund, es ist eine riesige Verantwortung, die mich manchmal erdrückt. Das Training hilft mir tatsächlich, aus dieser Starre rauszukommen. Es gibt uns Struktur – auch wenn meine Hände am Anfang so ungeschickt waren, dass die Leckerlis überall landeten, nur nicht in seinem Maul.

Die 5-Minuten-Regel (Und warum ich sie ständig ignoriert habe)

In den ersten Tagen wollte ich alles auf einmal. Ich dachte, wir trainieren jetzt eine Stunde, damit er es endlich kapiert. Spoiler: Das war eine Katastrophe. Ein 14 Wochen alter Welpe hat eine Aufmerksamkeitsspanne von vielleicht 5 Minuten. Danach schaltet das Gehirn auf Durchzug. Ich habe gelernt, dass weniger wirklich mehr ist. Wenn ich merke, dass seine Augen anfangen zu wandern oder er plötzlich an seinen Pfoten knabbert, höre ich auf. Sofort.

Hier kommt mein wichtigster Tipp, den ich auf die harte Tour gelernt habe: Höre mit dem Training auf, sobald dein Welpe abgelenkt ist. Versuche nicht, ihn mit noch mehr Leckerlis zur Konzentration zu zwingen. Frustration sabotiert den Lernerfolg langfristig. Wenn er nicht mehr bei der Sache ist, ist die Session vorbei. Punkt. Er braucht sowieso unglaublich viel Schlaf – etwa 18 bis 20 Stunden am Tag sind für so einen kleinen Körper biologisch notwendig, um die ganzen Eindrücke zu verarbeiten.

Verstreute Hundeleckerlis auf einem Flurboden während eines chaotischen Trainingsmoments.

Der Moment, in dem ich im Flur weinte

Es war ein schwüler Nachmittag letzte Woche. Ich wollte unbedingt das „Platz“ perfektionieren. Ich kniete auf dem Boden, die Knie taten weh, und ich hatte diesen speziellen Geruch von getrockneter Leberwurst an Daumen und Zeigefinger, während seine kalte Nase ständig ungeduldig gegen meine Handfläche stupste. Er war überdreht, ich war müde vom Seminar am Vormittag.

Plötzlich passierte es: Ich wollte nach einem neuen Leckerli greifen, blieb am Beutel hängen und der komplette Inhalt verteilte sich über den ganzen Flur. Mein Welpe flippte völlig aus, raste wie ein Irrer über die Leckerlis, und ich? Ich saß einfach nur da, mitten im Chaos, und fing an zu heulen. Es war der klassische Zusammenbruch. Aber genau in diesem Moment kam er zu mir, setzte sich ganz von allein hin und schaute mich mit diesen großen Augen an. Er wartete. Ohne Kommando.

Da habe ich verstanden: Ich muss aufhören zu befehlen. Ich muss ihn einladen. Das Training wurde von „Du musst jetzt das tun“ zu „Schau mal, was wir zusammen machen können“. Inzwischen achte ich viel mehr darauf, was er mir eigentlich sagen will. Falls du dich auch fragst, was in diesem kleinen Kopf vorgeht, kann ich dir nur empfehlen, dich mal mit der Körpersprache deines Hundes zu beschäftigen – das hat bei uns den Knoten gelöst.

Sitz und Platz im Studentenalltag: Zwischen Hausarbeit und Hundekörbchen

Das Training findet bei mir oft zwischendurch statt. Wenn ich eine Pause von der Hausarbeit mache, üben wir drei Minuten „Sitz“ in der Küche. Es ist mein Anker. Es gibt mir das Gefühl, dass ich doch nicht alles falsch mache. Auch wenn der Rest des Tages aus Aufwischen von Pipi-Pfützen und Verzweiflung besteht – wenn er sich hinsetzt und mich erwartungsvoll anschaut, ist da dieser winzige Lichtblick.

Eine junge Frau sitzt erschöpft auf dem Küchenboden neben ihrem Welpen.

Oft hilft es auch, das Training nach draußen zu verlegen, aber nur ganz kurz. Ich achte sehr darauf, wie lange wir mit dem Welpen spazieren gehen, damit er nicht völlig drüber ist, bevor wir überhaupt anfangen zu üben. Ein übermüdeter Hund lernt nämlich gar nichts, außer wie man noch schneller in die Waden beißt.

Es ist ein langer Weg, und ich weiß, dass ich erst am Anfang stehe. Wir sind zwei Fremde in einer Leipziger Altbauwohnung, die versuchen, ein Team zu werden. Es ist nicht perfekt, es ist oft laut und es riecht nach Hundeshampoo und Leberwurst – aber es ist unser Weg. Falls du auch gerade mit deinem Welpen auf dem Boden sitzt und dich fragst, warum er das „Platz“ einfach nicht versteht: Atme durch. Pack die Leckerlis weg. Kuschel eine Runde (falls er gerade nicht beißt). Morgen ist ein neuer Tag.